Antriebsvarianten

Zusammenfassung

  • Linearachsen lassen sich nach vier Antriebsvarianten unterscheiden: Zahnriemenantriebe, Spindelantriebe, Zahnstangenantriebe und Linearmotorantriebe
  • Zahnriemenantriebe bieten sich unter anderem in Anwendungen an, in denen schnelle Handlings- und Positionieraufgaben bewältigt werden müssen
  • Spindelantriebe werden bei Positionier- und Wiederholungsgenauigkeiten in Kombination mit hoher Steifigkeit des Antriebselements eingesetzt
  • Zahnstangenantriebe gewährleisten eine hohe Betriebssicherheit und eignen sich für vertikale Verfahrwege
  •  Linearmotorantriebe können flexibel mit Geschwindigkeiten umgehen und werden in Anwendungen mit höchsten Anforderungen an die Positionier- und Wiederholgenauigkeiten verwendet

In diesem Beitrag werden die Linearachsen nach ihren Antriebsvarianten unterteilt behandelt, dabei handelt es sich mit den Zahnriemenantrieben, Spindelantrieben, Zahnstangenantrieben und Linearmotorantrieben um vier relevante Arten. Ihr solltet jedoch beachten, dass die Differenzierung variieren kann, was bedeutet, dass sie sich nicht nur hinsichtlich ihrer Antriebsvarianten einteilen lassen, sondern auch anhand der in der Tabelle aufgelisteten weiteren Unterscheidungsmerkmale.

     Unterscheidung von Linearachsen nach:

  • Arten der Führungssysteme
  • innen- oder außenliegenden Führungssystemen
  • Antriebsvarianten
  • Basismaterial
  • Herstellung von kundenspezifischen Längen oder Standardlängen

Die Differenzierung nach Arten der Antriebssysteme ist nur eine von fünf Unterscheidungsmöglichkeiten bei Linearachsen.

Da wenig allgemeingültige Aussagen hinsichtlich der Linearachsen getroffen werden können, wird im Folgenden schwerpunktmäßig auf NTN-Linearachsen der Marke SNR eingegangen.

Zahnriemenantriebe

Linearachsen mit Zahnriemenantrieb eignen sich zum Erfüllen schneller Handlings- und Positionieraufgaben. Alle Achsen sind mit einem AT- oder STD-Zahnriemen ausgerüstet, dabei ermöglicht die Zahnriemenklemmung über das Zahnsegment in Zahnriemenbreite eine ungeschwächte Klemmung. Dank einer radial verschiebbaren Lagerung der Umlenkscheibe kann zudem die Zahnriemenspannung exakt mittels der SNR-Zahnriemenspannvorrichtung, die aus einem Kraftmessgerät und Adaptervorrichtungen für die jeweilige Achstype besteht, eingestellt werden.

Die Vorteile dieser Methode zur Spannung des Zahnriemens sind:

  • keine Gefahr der Überlastung des Zahnriemens bei Montage
  • kein vorzeitiger Ausfall der Riemenscheibenlagerung durch zu hohe Riemenspannung
  • optimale Laufeigenschaften durch zentrierte Ausrichtung des Zahnriemens bei der Montage
  • geringer Verschleiß
Zahnriemenantriebe zeichnen sich unter anderem durch geringen Verschleiß aus.
Spindelantriebe
In dieser Abbildung könnt ihr die Spindel, die sich in der Linearachse befindet, sehr gut erkennen.

Charakteristisch für Linearachsen mit Spindelantrieb ist, dass sie mit Kugelgewindetrieben oder Trapezgewindespindeln ausgerüstet sein können. Besondere Eignung haben sie, wenn hohe Anforderungen an die Positionier- und Wiederholungsgenauigkeiten in Kombination mit hoher Steifigkeit des Antriebselements bestehen. Darüber hinaus ist eine direkte Antriebsadaption über Kupplung und Kupplungsglocke oder mithilfe eines Umlenkriementriebs möglich. Außerdem kann mit Spindelantrieben eine hohe Positioniergenauigkeit über große Verfahrwege erzielt werden. In Anwendungen, die größere Verfahrwege und höhere Geschwindigkeiten erfordern, können Spindelantriebe mit Spindelabstützungen ausgerüstet werden. Neben der Tatsache, dass damit relativ hohe Geschwindigkeiten möglich sind, dienen diese Spindelabstützungen darüber hinaus dazu, die freie Länge der Spindeln – das heißt, den Abstand der Mutter zum Loslager – um beispielsweise die Hälfte oder zwei Drittel zu verkürzen und somit die kritische Drehzahl zu erhöhen.

Zahnstangenantriebe

Eine weitere Antriebsvariante von Linearachsen sind Zahnstangenantriebe. Diese stehen für eine hohe Betriebssicherheit und sind demzufolge für vertikale Anwendungen geeignet. Da die Zahnstange aus Zahnstangensegmenten besteht, sind theoretisch unbegrenzte Verfahrwege möglich, was bedeutet, dass beliebig lange Linearachsen gebaut werden können. Aus diesem Grund bietet sich ein Einsatz der Zahnstangenantriebe beispielsweise in großen Flächenportalen an. Die induktiv gehärteten Zahnstangen und Zahnräder dieser Antriebsvariante gewährleisten eine hohe Lebensdauer; nicht unerwähnt sein sollte außerdem, dass Zahnstangenantriebe – selbst bei großen Lasten – höchste Steifigkeiten im Antriebssystem besitzen.

Der Einsatz von Linearachsen mit Zahnstangenantrieben bietet sich insbesondere bei vertikalen Anwendungen an.
Linearmotorantriebe
Linearmotorantriebe können ohne Probleme bei sehr langsamen Geschwindigkeiten eingesetzt werden; selbiges ist auch mit rotativen Antrieben möglich, allerdings werden dafür Getriebe mit extrem großen Übersetzungen benötigt.

Der Einsatz von Linearmotorantrieben bietet sich insbesondere bei Anwendungen an, bei denen höchste Anforderungen an die Positionier- und Wiederholgenauigkeiten gestellt werden. Ein großer Vorteil ist ihre Flexibilität, denn sie sind für extrem langsame (zum Beispiel 1 cm pro Stunde) ebenso wie sehr schnelle Bewegungen geeignet. Linearmotorantriebe sind wartungsfreie Antriebselemente und können theoretisch bei unbegrenzten Verfahrwegen Gebrauch finden. Ein Nachteil der Linearmotorantriebe ist, dass sie im stromlosen Zustand keinerlei Bremswirkung haben, was bei vertikalen Anwendungen kritisch sein kann.

Überblick zu den Vor- und Nachteilen der Antriebssysteme

In der folgenden Übersicht sind die wichtigsten Vor- und Nachteile der zuvor erwähnten Antriebssysteme im direkten Vergleich dargelegt.

Vorteile Nach­tei­le
Zahn­rie­men­an­trieb • ho­he Dy­na­mik
• gro­ße Län­gen
• ko­sten­gün­stig
• war­tungs­frei
• ge­rin­ge­re dy­na­mi­sche Be­triebs­last
• ge­rin­ge­re An­triebs­stei­fig­keit
• nor­ma­ler­wei­se ein Ge­trie­be not­wen­dig
• ge­rin­ge­re Wie­der­hol­ge­nau­ig­keit
Spin­del­an­trieb • ho­he Po­si­tio­nier- und Wie­der­hol­ge­nau­ig­kei­ten
• gro­ße Vor­schub­kräf­te
• ho­he An­triebs­steif­ig­keit
• mei­stens kein Ge­trie­be not­wen­dig
• Ge­schwin­dig­kei­ten durch kri­ti­sche Dreh­zahl und DN-Wert be­grenzt
• ge­rin­ge­re Ma­xi­mal­län­gen
• Nach­schmie­rung not­wen­dig
Zahn­stan­gen­antrieb • theo­re­tisch un­be­grenz­te Län­gen mög­lich
• meh­re­re un­ab­hän­gig ver­fah­ren­de An­triebs­ein­hei­ten mög­lich
• gro­ße Vor­schub­kräf­te
• höch­ste An­triebs­stei­fig­keit
• Nach­schmie­rung notwendig
• ge­rin­ge­re Po­si­tio­nier- und Wie­der­hol­ge­nau­ig­kei­ten
Li­near­motor­an­trieb • sehr ho­he Po­si­tio­nier- und Wie­der­hol­ge­nau­ig­kei­ten
• sehr ho­he Dy­na­mik
• ver­schleiß- und war­tungs­frei­er An­trieb
• theo­re­tisch un­be­grenz­te Län­gen mög­lich
• kei­ne Brem­sung des Sy­stems im strom­lo­sen Zu­stand (ver­ti­ka­ler Ein­satz kri­tisch)
• re­la­tiv ho­he Ko­sten

Es sollte stets von der jeweiligen Anwendung abhängig gemacht werden, auf welche Antriebsvariante zurückgegriffen wird.

Das könnte Dich auch interessieren

Montage von Kugelbuchsen

Montage von Kugelbuchsen Die Montage von Kugelbuchsen ist allgemein nicht kompliziert, sondern lässt sich – im Gegenteil – glücklicherweise relativ einfach durchführen. Während ihrer Montage gibt es daher nicht super viel zu beachten: Wichtig ist lediglich, die Montagetoleranzen und Umgebungsbedingungen zu berücksichtigen. Detaillierte Infos dazu ebenso wie eine Montageanleitung findet ihr in diesem Beitrag. Montagetoleranzen Im Zusammenhang mit der Montage

Weiterlesen »

Berechnungsgrundlagen (Linearführungen)

Wie bei Wälzlagern müssen auch in der Lineartechnik bestimmte Berechnungsgrundlagen beherrscht werden, um die Linearführungen nicht zu hohen Belastungen auszusetzen und um Ausfällen, einer verkürzten Lebensdauer, aber auch einer Überdimensionierung von Linearführungen vorzubeugen. Daher ist es beispielsweise zwingend erforderlich, die Lebensdauer von Linearführungen zu berechnen. Weitere Berechnungen betreffen den statischen Sicherheitsfaktor oder Steifigkeiten. Die nominelle Lebensdauer L10 Unter der Lebensdauer

Weiterlesen »

Führungsvarianten

Im Bereich der Linearachsen werden drei verschiedene Arten von Führungsvarianten eingesetzt, die für jeweilig spezifische Anwendungen ausgelegt sind. Es kann zwischen Linearführungen, Laufrollenführungen und Polymer-Laufrollenführungen gewählt werden, die jeweils an bestimmte Anwendungsanforderungen angepasst sind. Die Parameter und Anforderungen, die in diesem Beitrag genannt werden, beziehen sich auf NTN-Linearachsen der Marke SNR. Linearführungen Hinsichtlich der Linearführungen lässt sich sagen, dass ausschließlich

Weiterlesen »

Arten von Linearachsen

Linearachsen sind neben Linearführungen, Gewindetrieben und Kugelbuchsen ein wichtiges Produkt im Bereich Lineartechnik. Obwohl schon Anfang der 1990er Jahre die ersten Linearachsen auf den Markt gekommen waren, haben sie sich erst mit Beginn des aktuellen Jahrhunderts als Standardbauteil für industrielle Anwendungen durchgesetzt. Hervorzuheben ist, dass kein einheitlicher Standard existiert, der Abmessungen von Linearachsen festlegt und die Bestimmung ihrer Tragzahlen regelt.

Weiterlesen »

Arten von Gewindetrieben

Vielleicht habt ihr schon mal etwas über Kugelgewindetriebe gehört. Diese sind sicherlich die bekanntesten unter den Gewindetrieben, aber nicht die einzigen, denn einen zweiten Typ stellen die Trapezgewindetriebe dar. Schwerpunktmäßig soll es in diesem Beitrag um erstere gehen, trotzdem findet ihr hier zu beiden Arten alles, was wichtig ist. Aufbau, Funktionsweise und Einsatzgebiete von Kugelgewindetrieben Aber erst einmal: Was sind

Weiterlesen »

Berechnungsgrundlagen (Gewindetriebe)

Die Berechnungsgrundlagen für Gewindetriebe sind umfangreich und reichen von der Berechnung des statischen Sicherheitsfaktors über die biegekritische Drehzahl, die Knickbelastung bis hin zur nominellen Lebensdauer. All das erwartet euch im Folgenden. Wenn ihr auf der Suche nach weiteren Berechnungsgrundlagen seid, werdet ihr in unserem Katalog fündig. Definition von Gewindetrieben Aus rechnerischer Sicht müssen mehrere Faktoren für die Definition von Gewindetrieben

Weiterlesen »

Überblick

Zusammenfassung

  • Linearachsen lassen sich nach vier Antriebsvarianten unterscheiden: Zahnriemenantriebe, Spindelantriebe, Zahnstangenantriebe und Linearmotorantriebe
  • Zahnriemenantriebe bieten sich unter anderem in Anwendungen an, in denen schnelle Handlings- und Positionieraufgaben bewältigt werden müssen
  • Spindelantriebe werden bei Positionier- und Wiederholungsgenauigkeiten in Kombination mit hoher Steifigkeit des Antriebselements eingesetzt
  • Zahnstangenantriebe gewährleisten eine hohe Betriebssicherheit und eignen sich für vertikale Verfahrwege
  •  Linearmotorantriebe können flexibel mit Geschwindigkeiten umgehen und werden in Anwendungen mit höchsten Anforderungen an die Positionier- und Wiederholgenauigkeiten verwendet
Jetzt alle Artikel als kostenloses eBook downloaden!

Die NTN Wälzlager (Deutschland) GmbH erstellt die Informationen für dieses Internetangebot mit großer Sorgfalt und ist darum bemüht, Aktualität, Korrektheit und Vollständigkeit sicher zu stellen. Die NTN Wälzlager (Deutschland) GmbH übernimmt keine Gewähr und haftet nicht für etwaige Schäden materieller oder ideeller Art, die durch Nutzung des Dienstes verursacht werden, soweit sie nicht nachweislich durch Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit verschuldet sind.