Berechnungsgrundlagen (Gewindetriebe)

Zusammenfassung

  • Gewindetriebe definieren sich über den Nenndurchmesser, Spindelaußendurchmesser, Spindelkerndurchmesser und Kugelmittenkreisdurchmesser
  • Wirkungsgrad: Wirkleistung eines Kugelgewindetriebs anteilig an der Energie, die während der Anwendung aufgebracht wird
  • Axiale statische Tragzahl C0a : konstante axiale Belastung, die eine plastische Gesamtverformung des 0,00001-fachen des Kugeldurchmessers erzeugt
  • Axiale dynamische Tragzahl Ca : axiale Belastung, die in Größe und Richtung nicht veränderlich ist und bei der ein Kugelgewindetrieb eine nominelle Lebensdauer von 106 Umdrehungen erreicht
  • Statischer Sicherheitsfaktor fs : Verhältnis von axialer statischer Tragzahl C0a zur maximalen axialen Belastung Famax ; hiermit wird sichergestellt, dass plastische Verformungen vermeiden werden und die Stabilität sowie Funktionalität der jeweiligen Anwendung gegeben ist
  • Nominelle Lebensdauer L10 : mit 90 % Überlebenswahrscheinlichkeit erreichbare rechnerische Lebensdauer

Die Berechnungsgrundlagen für Gewindetriebe sind umfangreich und reichen von der Berechnung des statischen Sicherheitsfaktors über die biegekritische Drehzahl, die Knickbelastung bis hin zur nominellen Lebensdauer. All das erwartet euch im Folgenden. Wenn ihr auf der Suche nach weiteren Berechnungsgrundlagen seid, werdet ihr in unserem Katalog fündig.

Definition von Gewindetrieben
Aus rechnerischer Sicht müssen mehrere Faktoren für die Definition von Gewindetrieben hinzugezogen werden. Gewindetriebe besitzen einen Nenndurchmesser d0 , der ein runder Wert ist und jedoch nicht bei jedem Produkt direkt nachgemessen werden kann. Messbar ist hingegen der Spindelaußendurchmesser d1 , der in vielen Fällen – aber nicht immer – von d0 abweicht. Zur Berechnung bestimmter dynamischer Parameter dienen der Spindelkerndurchmesser d2 und der Kugelmittenkreisdurchmesser Dpw . Letztgenannter Durchmesser wird vom Mittelpunkt der Kugel auf der einen Seite ausgehend bis zum Mittelpunkt der Kugel auf der anderen Seite gemessen. Von wesentlicher Bedeutung ist auch die Steigung P, während die Verwendung des Steigungswinkels ß selten erforderlich ist.

Für die Mutter gibt es hauptsächlich drei Werte zu beachten: den Außendurchmesser des Mutterkörpers D1 , den Flanschdurchmesser D2 und den Teilkreisdurchmesser des Flansches D3. Weitere Parameter sind der Kugel-Nenndurchmesser Dw , die statische axiale Tragzahl C0a sowie die dynamische axiale Tragzahl Ca . Zudem muss die Mutternlänge berücksichtigt werden.

Ku­gel­ge­win­de­trieb

∅d0  = Nenn­­durch­mes­ser

∅d= Spin­del­­au­ßen­­durch­­mes­ser

∅d= Spin­del­­kern­­durch­­mes­ser

∅Dpw = Ku­gel­­mit­ten­­kreis­­durch­­mes­ser

P = Stei­­gung

ß = Stei­­gungs­­win­kel

Mut­ter

∅D1 = Au­ßen­­durch­­mes­ser des Mut­­ter­­kör­pers

∅D2 = Flansch­­durch­­mes­ser

∅D3 = Teil­­kreis­­durch­­mes­ser des Flan­sches

Kugel

∅Dw = Nenn­­durch­­mes­ser der Ku­gel

C0a = sta­ti­sche axia­le Trag­zahl

Ca = dy­na­mi­sche axia­le Trag­­zahl

In dieser Übersicht findet ihr alle rechnerischen Definitionskriterien für Kugelgewindetriebe, Mutter und Kugel auf einen Blick.

Anhand dieser Maßblätter könnt ihr die Werte D1 ,D2 , D3 ...
…sowie d0 , d1 und d2 nachvollziehen.
Berechnung des Antriebsdrehmoments

Der Wirkungsgrad ist der prozentuale Anteil der aufgebrachten Energie, die in Wirkleistung umgesetzt wird. Die Formeln und dafür notwendigen Parameter sehen wie folgt aus.

Formel 4: Berech­nung des
An­triebs­dreh­moments T

    \[T = \frac{F_a \times P}{2 \times \pi \times \eta}\]

Formel 5: Be­rech­­nung der Axial­­kraft Fa

    \[F_a = m \times a \times \mu\]

TAn­­triebs­­dreh­­mo­mentmMas­se
FaAxial­kraftaBe­­schleu­­ni­­gung
PStei­­gung

µ

Reib­­ko­­ef­­fi­­zient des An­­triebs­­sy­stems

η

Wir­­kungs­­grad bei Umwandlung von Ro­ta­­tion in Li­near  

Sowohl der Wirkungsgrad η als auch die Axialkraft Fa sind für die Ermittlung des Antriebsdrehmomentes T von Bedeutung.

Tragzahlen: die axiale statische Tragzahl C0a und axiale dynamische Tragzahl Ca

Die axiale statische Tragzahl C0a beschreibt die konstante axiale Belastung, die eine plastische Gesamtverformung des 0,00001-fachen des Kugeldurchmessers erzeugt. Die axialen Tragzahlen – sowohl die axiale statische als auch die axiale dynamische – basieren nach DIN stets auf der Toleranzklasse 5. Die Berechnung der axialen statischen Tragzahl C0a erfolgt auf Basis der DIN 69051-4.

Neben der Berechnung der axialen statischen Tragzahl C0a ist auch die der axialen dynamischen Tragzahl Ca relevant. Unter der axialen dynamischen Tragzahl Ca wird die in Größe und Richtung unveränderliche axiale Belastung definiert, unter der ein Kugelgewindetrieb theoretisch eine Lebensdauer von 106 Umdrehungen erreicht. Die Ermittlung der axialen dynamischen Tragzahl Ca bei Kugelgewindetrieben erfolgt ebenfalls nach DIN 69051-4.

Mit Blick auf die axialen Tragzahlen ist wichtig zu erwähnen, dass sich diesbezügliche Angaben im NTN-Katalog auf eine optimale Lastverteilung auf alle tragenden Kugeln für Kugelgewindetriebe der Toleranzklasse 5 beziehen. Für von Toleranzklasse 5 abweichende Toleranzklassen muss ein Korrekturfaktor fac berücksichtigt werden, der aus der Tabelle abgelesen werden kann.

Je größer der Steigungsfehler einer Spindel ist, desto geringer ist die Garantie, dass alle Kugeln gleichmäßig tragen. Demzufolge, wenn nicht alle Kugeln gleichmäßig tragen, sinkt die axiale Tragzahl. Daher ist es notwendig, die axiale Tragzahl mit Berücksichtigung der Toleranzklasse zu korrigieren.

  Toleranzklasse
  0, 1, 3, 5 7 10
Kor­rektur­fak­tor fac 1,0 0,9 0,7

Korrekturfaktoren für die unterschiedlichen Toleranzklassen nach DIN ISO 3408-5.

Statischer Sicherheitsfaktor fs

In Betracht gezogen werden muss zudem der statische Sicherheitsfaktor fs. Dieser berücksichtigt, dass Kugelgewindetriebe unvorhergesehenen Belastungen ausgesetzt sein können. Diese können verschiedene Ursachen haben, beispielsweise Vibrationen, Stöße oder kurze Start-Stopp-Fahrzyklen. Der statische Sicherheitsfaktor fs dient dazu, unzulässige, bleibende plastische Verformungen sowohl an Laufbahnen als auch an Wälzkörpern des Kugelgewindetriebs zu vermeiden. Es ist entscheidend, dass dieser Faktor angemessen beachtet wird, um die Stabilität und Funktionalität der jeweiligen Anwendung mit Kugelgewindetrieben sicherzustellen und den zuverlässigen Betrieb unter verschiedenen Belastungsbedingungen zu gewährleisten. Der statische Sicherheitsfaktor fs muss immer ≥ 1 sein. Sollten die angenommenen Belastungen stark schwanken und tendenziell unvorhersehbar sein, sollte ein höherer Sicherheitsfaktor fs hinzugezogen werden.

Die Berechnung des statischen Sicherheitsfaktors bei Kugelgewindetrieben gestaltet sich zwar nicht gleich, aber ähnlich wie bei Linearführungen. Bei Kugelgewindetrieben werden die zwei Einflussfaktoren (der Härtefaktor fH und der Temperaturfaktor fT) mit der statischen Tragzahl C0a multipliziert und durch die maximale Axiallast Fmax geteilt.

Formel 6

    \[f_s = \frac{f_H \times f_T \times C_{0a}}{F_{\text{max}}}\]

fsstatischer Sicherheitsfaktor
fHHärtefaktor
fTTemperaturfaktor
C0aaxiale statische Tragzahl [kN]
Fmaxmaximale Axiallast [kN]

Wie bei Linearführungen ist auch bei Kugelgewindetrieben die Überprüfung des statischen Sicherheitsfaktors von Bedeutung.

Auch wenn es keine eindeutige Regel gibt, existieren bestimmte Richtwerte bzw. Empfehlungen, wie hoch dieser Faktor mindestens sein soll. Dabei hängt der Faktor davon ab, welche Bewegungsgeschwindigkeiten auf den Kugelgewindetrieb einwirken und wie stark die Lasten und wie intensiv die Vibrationen und Stöße sind.

Einsatz­bedingungenStatischer Sicher­heits­faktor fs

• langsame Bewegungen

• geringe Lasten

• keine Vibrationen und Stöße

1,0 … 1,3

• langsame Bewegungen

• geringe Lasten

• leichte Vibrationen und Stöße

1,2 … 1,7

• langsame Bewegungen

• mittlere Lasten

• Vibrationen und Stöße

1,5 … 2,5

• schnelle Bewegungen

• hohe Lasten

• Vibrationen und Stöße

2,0 …4,0

• schnelle Bewegungen

• hohe Lasten

• starke Vibrationen und Stöße

3,0 … 8,0

Im Idealfall benötigt man einen niedrigen statischen Sicherheitsfaktor fs, bei extremen Bedingungen bzw. hochbelasteten Anwendungen hingegen kann dieser 3,0 (weit) überschreiten.

Die nominelle Lebensdauer L10

Die nominelle Lebensdauer L10 ist die mit 90 % Erlebenswahrscheinlichkeit erreichbare rechnerische Lebensdauer für Kugelgewindetriebe unter üblichen Betriebsbedingungen. Damit die nominelle Lebensdauer von Kugelgewindetrieben berechnet werden kann, werden mehrere Einflussfaktoren benötigt. Dazu zählen der Belastungsfaktor fw, der Härtefaktor fH und der Temperaturfaktor fT. Weiterhin benötigt man die axiale dynamische Tragzahl Ca und die mittlere Axiallast Fm .

Formel 7

    \[L = \left( \frac{f_T \times f_H}{f_W} \times \frac{C_a}{F_m} \right)^3 \times 10^6\]

Lnominelle Lebensdauer [min-1]
Caaxiale dynamische Tragzahl [kN]
fwBelastungsfaktor
fHHärtefaktor
fTTemperaturfaktor
Fmmittlere Axiallast [kN]

Auf lineartechniklernen.de findet ihr auch Infos zur Lebensdauerberechnung von Linearführungen und Kugelbuchsen.

In Bezug auf den Belastungsfaktor fgibt es Empfehlungen, die von den Einsatzbedingungen, genauer gesagt von der Stärke der Vibrationen und Stöße, die in der einzelnen Anwendung auf die Gewindetriebe einwirken, abhängig sind. Sind die Bedingungen im Vorhinein nicht präzise vorhersehbar, sollte man den Belastungsfaktor mit einer gewissen Sicherheit berücksichtigen oder sich auf Erfahrungswerte mit vergleichbaren Anwendungen beziehen.

Einsatz­bedin­gungenGeschwin­dig­keit [m/s]Belas­tungs­faktor fw
keine oder sehr geringe Vibrationen und Stöße

≤0,25

1,0 … 1,2
leichte Vibrationen und Stöße

0,25…≤1,0

1,2 … 1,5
mittlere Vibrationen und Stöße

1,0…≤2,0

1,5 … 2,0
starke Vibrationen und Stöße

>2,0

2,0 … 3,5
Kurz­hub­an­wendun­gen 3,5 … 5,0

Der Belastungsfaktor ergibt sich aus den Einsatzbedingungen.

Die nominelle Lebensdauer L10 kann auch in anderen Einheiten als Umdrehungen angegeben werden. Abhängig von der Anforderung ist eine Angabe in Kilometern Ls , in Stunden Lh oder in Zyklen L# möglich.

Formel 8

Formel 12

    \[L_s = \frac{L \times P}{10^6}\]

    \[L_h = \frac{L}{n_m \times 60 \times ED}\]

    \[L_\# = \frac{L \times P}{2 \times s}\]

Lnomi­nelle Lebens­dauer [min-1]Lnomi­nelle Lebens­dauer [min-1]Lnomi­nelle Lebens­dauer [min-1]
Lsnomi­nelle Lebens­dauer [km]Lhnomi­nelle Lebens­dauer [h]L#nomi­nelle Lebens­dauer [Zy­klen]
PSpindel­stei­gung [mm]nmMit­tlere Be­triebs­dreh­zahl [min-1]PSpindel­stei­gung [mm]
  EDEin­schalt­dauer [%]sVer­fahr­weg

    \[L_s = \frac{L \times P}{10^6}\]

L

nomi­nelle Lebens­dauer [min-1]

Ls

nomi­nelle Lebens­dauer [km]

P

Spindel­stei­gung [mm]

    \[L_h = \frac{L}{n_m \times 60 \times ED}\]

L

nomi­nelle Lebens­dauer [min-1]

Lh

nomi­nelle Lebens­dauer [h]

nm

Mit­tlere Be­triebs­dreh­zahl [min-1]

ED

Ein­schalt­dauer [%]

    \[L_\# = \frac{L \times P}{2 \times s}\]

L

nomi­nelle Lebens­dauer [min-1]

L#

nomi­nelle Lebens­dauer [Zy­klen]

P

Spindel­stei­gung [mm]

s

Ver­fahr­weg

Hier findet ihr die Formeln zur Umrechnung der Lebensdauer in Kilometern, Stunden oder Zyklen.

Weitere Berechnungsgrundlagen findet ihr im NTN-Katalog zu den Kugelgewindetrieben. Informationen zur Montage von Gewindetrieben erhaltet ihr im entsprechenden Beitrag.

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